Wie gehen wir mit Klassenchats in WhatsApp um?

16. Januar 2015 /

WhatsApp wird von fast 70 Prozent (laut Mobile Monitor 2014) der unter 30-jährigen Smartphone-Besitzer täglich genutzt. Die meisten Kinder mit Smartphone haben diese App installiert und kommunizieren damit mit ihren Klassenkollegen in WhatsApp-Gruppen. In dieser Altersgruppe wird WhatsApp häufiger als Facebook genutzt.

KlassenchatDurchgesetzt hat sich die App unter anderem deswegen,

  • weil sie es ermöglicht SMS-ähnliche Nachrichten mit Bildern, Videos und Audio-Dateien zu verschicken und
  • für jede gebräuchliche Plattform, wie Android oder iOS, verfügbar ist.

WhatsApp bietet auch Gruppenchatfunktionen, damit können Kontakte zu einer Gruppe hinzugefügt werden und alle können dann die Chatnachrichten von allen anderen lesen. Die Chats sind auf die Teilnehmer beschränkt, im Gegensatz zu Facebook gibt es keine potenziellen Mitlesenden. Der Datenschutz von WhatsApp gibt immer wieder Anlass zur Kritik. Daher ist es sinnvoll darauf zu achten, die App möglichst sicher zu nutzen.

Die WhatsApp-Gruppen werden von den Schülern oft genutzt um:

  • sich über Themen, die die Schule betreffen auszutauschen (Hausaufgaben, Teststoff, Lernen für Schularbeiten, Veranstaltungen etc.)
  • zu plaudern: sie verschicken lustige Bilder, Videos und Texte, sie diskutieren aber auch private Fragen oder lästern und kritisieren
  • sich über Spezialinteressen auszutauschen, z.B. spezielle Online-Spiele

In den Pausen kann es dann vorkommen, dass die Schüler über WhatsApp und nicht mehr persönlich kommunizieren. Sie nutzen die App für alle guten und schlechten Seiten der Kommunikation inklusive Mobbing und um bei Prüfungen zu betrügen. Schüler haben oft durchaus ein Bewusstsein dafür, welche Probleme die Klassenchats schaffen können. Sie werden aber meist damit völlig alleine gelassen, weil die Schule daran offiziell nicht beteiligt ist und Eltern diese Chats tolerieren müssen weil „alle dabei sind“.

Was können Lehrer für einen bessere WhatsApp-Kultur im Klassenchat tun?

  • Sprechen Sie mit jeder Klasse in einer Lektion über ihren Chat. Das kann beispielsweise die folgende Punkte umfassen
    Reflektion der aktuellen WhatsApp-Nutzung. Bei den Gruppen zum Beispiel die Anzahl, das Thema und die Verantwortlichen der Gruppen. Außerdem bestehende und fehlende Regeln sowie der Umgang mit Mobbing.
  • Moderation: Wie verhalten sich die Moderatoren in einem Krisenfall oder wenn etwas Unangenehmes passiert? Die Moderatoren können störende Personen darauf aufmerksam machen oder aus der Gruppe löschen.
  • WhatsApp-Kommunikations-Tipps, auch um den Schülern die Nutzen dieser Lektion für sie selbst zu verdeutlichen.

Das Ergebnis könnte eine Sammlung von verschiedenen Maßnahmen sein, wie die Qualität des Austauschs verbessert werden kann.

Sprechen Sie mit Ihren Schülern außerdem über das „Recht am eigenen Bild„. Bilder aus dem privaten Bereich dürfen nicht einfach ohne Zustimmung der Abgebildeten öffentlich geteilt werden und Bilder aus dem öffentlichen Raum dürfen für die Abgebildeten nicht nachteilig sein.

Erklären Sie den Schülern auch das das es eine strafbare Handlung ist, verunglimpfende Inhalte zu erstellen und zu teilen. Machen Sie in diesem Kontext auch Cyber-Mobbing immer wieder zum Thema.

Überlegen Sie sich ob Sie WhatsApp gemeinsam mit den Schülern nutzen wollen. Wenn Sie WhatsApp selbst schulintern nicht nutzen dürfen können Sie einen eigenen „neutralen“ Chat einrichten und dort den fairen Umgang miteinander üben. Dafür eignet sich beispielsweise Chatzy, eine Online-Plattform bei der Sie kostenlos und ohne Registrierung Chatrooms eröffnen, mit Ihren Schülern gemeinsam nutzen und danach auch wieder alle Onlinekonversationen vollständig löschen können.

Was können Eltern tun um Ihren Kindern einen souveränen Umgang mit WhatsApp im Klassenchat zu ermöglichen:

Testen Sie WhatsApp und lernen Sie die App kennen um mitreden zu können. Eventuell reagieren Ihre Kinder auf WhatsApp-Nachrichten schneller als auf die Kommunikation mit anderen Kanälen und Sie können die App für die Familienkommunikation nutzen.

Lassen Sie sich von Ihrem Kind seine aktuelle WhatsApp-Nutzung schildern. Motivieren Sie Ihr Kind immer wieder dazu, Ihnen von „komischen Dingen“ die in der App passieren zu berichten.

Lassen Sie Ihr Kind in so vielen Gruppen aktiv sein wie es möchte, ohne das negativ zu kommentieren. Die Anzahl der Gruppen vermindert sich mit der Zeit von selbst. Besprechen Sie gemeinsam, wofür Sie WhatsApp sinnvoll nutzen können.

Erklären Sie Ihrem Kind nachdrücklich, dass es keine Inhalte veröffentlichen soll, die von jemanden anderen nachteilig genutzt werden können, beispielsweise Nacktbilder. Besprechen Sie in diesem Zusammenhang auch die strafrechtliche Relevanz von verunglimpfenden Inhalten.

Wenn es in WhatsApp nicht so gut läuft

Wenn WhatsApp aus dem Ruder läuft und eine Person gemobbt oder belästigt wird kann sie

  • aus der betreffenden Gruppe austreten,
  • den Kontakt aus dem Adressbuch löschen oder
  • die betreffende Person blockieren – für den Täter ist aber nicht zu erkennen dass er blockiert wurde und seine Nachrichten nicht mehr ankommen.

Es gibt jedoch nicht die Funktionen, Benutzer nach mehrmaligen Blockieren zu sperren oder aus WhatsApp zu verbannen. Diese Maßnahmen bieten also nur geringe Möglichkeiten sich zur Wehr zu setzen. Es sollten daher in diesem Fall rasch Maßnahmen gegen Cyber-Mobbing getroffen werden. Auf der Website von saferinternet.at finden Sie dazu weitere Informationen und Adressen.

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