Interview mit Paul Kral: Warum nicht ein Gedicht am Smartphone schreiben?

05. September 2018 /
Schule und digitales Lernen. Ein emotionales Thema. „Es braucht beides – Analog und Digital“, betont Paul Kral, Projektleiter der T-Mobile-Initiative „Connected Kids“ und regelmäßiger Autor des Kids Blogs. Ein Gespräch über „Wischkompetenz“ und den achtsamen Umgang mit neuen Medien…

„Es wird nicht das Buch abgeschafft. Oder gar die Schrift“, schickt Paul Kral gleich zu Beginn des Gesprächs voraus. Der „digitale Unterricht“ – Eltern, Lehrer, Medien, Politik, an vielen Fronten wird derzeit über Smartphone und Tablet in der Schule diskutiert. Paul Kral kennt die vielen Vorbehalte – und sorgt für Aufklärung. Seit 5 Jahren erfreut er sich über das „ungebrochene Interesse“ an der „Connected Kids“-Initiative von T-Mobile. Dabei konnte nicht nur viel Skepsis ausgeräumt, sondern vor allem eines gezeigt werden: „Wer Schülern die Chance lässt, mit digitalen Medien im Unterricht zu arbeiten, kann mit viel Freude, Kreativität und Produktivität rechnen“, so Kral.
Paul Kral, Projektleiter der T-Mobile-Initiative „Connected Kids“

Paul Kral, Projektleiter von „Connected Kids“

„Digitale Kompetenzen“ bei Schüler und Pädagogen aufbauen. Kompetenzen der Schule ausweiten. Den Kids produktives Arbeiten mit der neuen Technologie vermitteln. So könnte man in kurzen Worten das Ziel des Connected Kids-Projekts zusammenfassen. Seit 2013 tourt Projektleiter Paul Kral – und das „digi-Team“ – durch Bildungseinrichtungen in Wien, Niederösterreich, Burgenland; Kärnten und der Steiermark. Mit im Gepäck: Tablets mit 140 installierten Apps aus den Wissensgebieten Mathematik, Geographie, Geschichte, Lesen… Etwa 500 Lehrende mit rund 10.000 Schülerinnen und Schüler konnten so bereits digitale Werkzeuge kennenlernen, in den Unterricht einbauen und „herausfinden, wie hoch der pädagogische Mehrwert ist, der daraus gewonnen wird“. Die Erlebnisse werden auch im ConnectedKids-Blog festgehalten.

„Die Schüler haben das Internet in der Hosentasche“, sagt Paul Kral (Foto links). Jedoch verfügen die Heranwachsenden zumeist nur über eine „Wischkompetenz“, wie es der Digital-Experte umschreibt. Instagram und Youtube am Smartphone nutzen sei keine Digitalkompetenz, unterstreicht Kral. Hier setzt Connected Kids an und bietet entsprechende Tools, um das produktive Arbeiten mit den neuen Medien zu forcieren: Tagesablauf organisieren, interessante Themen austauschen, spielerisch-kreatives Arbeiten, Projekte digital erarbeiten… „Bei den Schülern entsteht eine unglaubliche Freude, wenn sie mit den neuen Medien arbeiten dürfen“, sagt Kral. Vor allem zeigt sich eines: „Die Kids können Lehrern und Eltern zeigen, was sie zu entwickeln im Stande sind.“
 
Smartphone und Tablet sind im Alltag überall präsent – nur in der Schule zumeist nicht. Was sagt der Connected Kids-Projektleiter zu dieser Situation? „Das digitale Arbeiten durch die Schüler setzt ein hohes Maß an Vertrauen voraus“, meint Paul Kral. Der „Kontrollverlust“ der Lehrer, nicht zu sehen, was die Schüler am Tablet machen, sei für viele Pädagogen ein ungewohntes Gefühl. Er sei jedenfalls der Überzeugung: Jeder habe den Antrieb etwas Gutes zu tun. Die Forderung vieler nach „Pädagogik vor Technik“, sei aber nicht der richtige Ansatz, glaubt Kral: „Es braucht Pädagogik und Technologie gleichermaßen, möchte man die Heranwachsenden auf die Zukunft vorbereiten.“ Warum nicht Wikipedia statt einem Lexikon nutzen?Warum nicht Texte am Computer scheiben? Warum nicht ein Gedicht am Smartphone schreiben?, fragt sich der Fachhochschuldozent und langjährige früherer Leiter des Pädagogischen Instituts der Stadt Wien. Es wäre viel besser, wenn alle gemeinsam Stärken und Vorteile der neuen Medien und Techniken in den Vordergrund stellen würden, anstatt emotionale Diskussionen an den Tag zu legen, die zu nichts führen. Denn Faktum ist, so Kral: „Wir werden in Zukunft noch viel stärker mit digitalen Medien arbeiten. Deshalb ist es schon heute wichtig, im Bildungsbereich die notwendigen Kompetenzen und Tools zu vermitteln“. Und er gibt auch gleich einen kleinen Anwendungs-Tipp: Wer die Medieninhalte auf die sogenannten „W-Fragen“ – Was, Wer, Warum, Wie, Wann, Wo und Wieso – abstimmt, liegt mit Sicherheit richtig.

„Nur eine Position zu vertreten eröffnet keinen Dialog“, betont Kral. Zudem, so der Connected Kids-Projektleiter, werde die wertvolle digitale Kompetenz und Arbeit im Klassenzimmer von vielen Lehrern und Lehrerinnen abgewertet. Jeder wisse, dass nicht das Tablet alleine der „Lern-Wunderwuzzi“ sei. „Warum man aber nur mit einem Buch und nicht auch mit einem Internetzugang (+ Smartphone, Tablet, PC) im Klassenzimmer lernen kann, entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen“, fragt sich Kral. Und er hat eine mögliche Antwort: Auch die der Erfindung des Buchdrucks – und der Wechsel zum Leitmedium Buch – hatte seine Kritiker…
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Respektvolles Miteinander, achtsamer Umgang. 
So wie im realen Leben, geht es auch bei der Nutzung digitaler Medien, um ein respektvolles und einen achtsamen Umgang Miteinander, unterstreicht Karl. Wie schnell beispielsweise ein Posting im Internet einen Menschen kränken und verletzten kann, sollte auch im „vernetzten Klassenzimmer“ thematisiert werden. Durch die produktive Nutzung von Smartphone und Tablet, bekomme man jedenfalls eine völlig andere Wahrnehmung – für sich und die Gestaltung der Welt, ist sich Paul Kral sicher.

Ein „digitaler Beitrag“ im Unterricht zur Rettung unserer Erde? Warum nicht, digitale Medien eröffnen einem ungeahnte Lösungsansätze und Möglichkeiten…

Die Erfahrungen des vernetzten Klassenzimmers mit der Verwendung digitaler Medien in Schule und Familie werden von T-Mobile auch in Form dieses Kids Blogs zur Verfügung gestellt. Für Schulen gibt es für den Einsatz von Internet im Klassenzimmer ermäßigte Bildungstarife. Bewerbungen für das jeweilige Schuljahr sind unter connected-kids@t-mobile.at möglich.

Der Original-Beitrag ist unter www.lebenskonzepte.org erschienen.
Verfasst von
Sie ist Jugendschutzbeauftragte von T-Mobile und verantwortet den gesamten Kids Blog.

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