„Das Verteufeln von Internet und Social Media finde ich problematisch“

19. November 2015 /
Brigitte Sindelar, Vizerektorin der Sigmund Freud Privatuniversität: „Intime Details sollte man nie über Social-Media-Plattformen bekannt geben.“ Foto: Sindelar

Brigitte Sindelar, Vizerektorin der Sigmund Freud Privatuniversität: „Intime Details sollte man nie über Social-Media-Plattformen bekannt geben.“ Foto: Sindelar

Kinder, und besonders Jugendliche, sind wahre Meister, wenn es um den Umgang mit Social Media geht. Das Know-how der Eltern ist meist viel geringer – die Angst, dass ihre Sprösslinge zu sehr in die virtuelle Realität abtauchen, oder gar Opfer von Cybermobbing werden, umso größer. Im Vorfeld des Tags der Psychologie am 28. November im Wiener Rathaus haben wir die Psychologin, Psychotherapeutin, Autorin und Vizerektorin der Sigmund Freud Privatuniversität, Brigitte Sindelar, zum Interview gebeten. Sindelar gibt Einblick, was die Jugendlichen in den sozialen Medien suchen und finden, welchen Beitrag Eltern und Lehrer zum vernünftigen Umgang mit Instagram, Twitter und Facebook leisten können und erklärt, wie durch Social Media eine geschriebene Jugendsprache entstanden ist.

Wenn wir von Social Media im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen sprechen; von welchen Plattformen sprechen wir da genau?
Brigitte Sindelar:
Die Jugendlichen bewegen sich etwas weg von Facebook, hin in Richtung Twitter und Instagram. Whatsapp oder Snapchat definiere ich eher als Kommunikationsmedien. Jugendliche verwenden diese natürlich auch sehr stark.

Hängt es auch vom Alter des Kindes bzw. des Jugendlichen ab, welche Plattformen er nutzt?
Brigitte Sindelar:
Jugendliche tendieren zu Plattformen, die ihnen eine größere Öffentlichkeit bieten. Kinder nutzen eher Whatsapp, weil sie kleinere Gruppen und eine intimere Kommunikation bevorzugen. Das hat mit ihrem Entwicklungsalter zu tun. Ein Kind im Schulalter bewegt sich in einem begrenztem sozialen Rahmen – also innerhalb der Familie, der Schulklasse, seinem Freundeskreis. Da geht es eher darum, der Mutter eine Nachricht zu senden. Jugendlich wollen über diese Grenzen hinaus schauen, und ihren Bekanntenkreis erweitern.

Ab welchem Alter können Eltern ihren Kindern den Umgang mit Social Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram denn guten Gewissens erlauben?
Brigitte Sindelar:
Nicht unter einem Alter von zwölf Jahren. In diesem Alter verstärkt sich ihre Fähigkeit, etwas vorauszusehen und zu abstrahieren.

Gerade Jugendliche gelten ja als die wahren Spezialisten im Umgang mit Facebook, Instagram und Whatsapp. Das Know-how der Eltern und Lehrer hinkt da häufig etwas hinterher. Andererseits sind ja Eltern dazu angehalten, und Lehrer sogar dazu verpflichtet, den Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln. Kann das unter diesen Voraussetzungen überhaupt funktionieren?
Brigitte Sindelar:
Das ist wirklich eine komische Geschichte, wenn Eltern und vor allem Lehrer den Kindern etwas beizubringen versuchen, was sie selbst eigentlich nicht so gut können. Hier sind andere Formen des Unterrichts gefragt, denn ohne Medienkompetenz werden die Kinder und Jugendlichen nicht auskommen. Egal welchen Beruf sie später ergreifen werden, sie brauchen das für ihr Alltagsleben.

Und wie können Lehrer ihnen diese Medienkompetenz vermitteln?
Brigitte Sindelar:
Hier müssen die Lehrer eine neue Form des Unterrichts wählen. Sie müssen mit den Schülern etwas gemeinsam erarbeiten. Das ist ja auch die effizienteste Form des Lernens. Denn dort erlernen Jugendliche wichtige Fähigkeiten, die sie in der Erwachsenenwelt brauchen können. Da geht es darum, etwas in ein Team einzubringen, und kommunikativ etwas Neues zu erlernen. Allerdings stellt eine solche Form des Lernens die altbekannte Hierarchie, oben der Lehrer und unten die Schüler, in Frage.

Dieses gemeinsame Erarbeiten ist aber an Österreichs Schulen, zumindest bei den Jugendlichen, noch die Ausnahme. Woran liegt das?
Brigitte Sindelar:
Weil die etablierte Hierarchie, Lehrer oben und Schüler unten, sehr schwer aufzubrechen ist. Sowohl die Lehrer als auch die Schüler sind diese Hierarchie gewöhnt. Die Jugendlichen sind gewöhnt, dass der Lehrer Dinge weiß und sie weniger wissen, das ist ja das Grundprinzip der Schule. Was nun Medienkompetenz bzw. der Umgang mit Social Media betrifft, ist dieses Prinzip plötzlich aufgebrochen. Dennoch kann dieses gemeinsame Erarbeiten gelingen.

Wie?
Brigitte Sindelar:
Jedes Team braucht einen Leader, und das soll der Lehrer sein. Das heißt nicht, dass er in allen Bereichen mehr kann als die anderen. Jeder Schüler kann sein Know-how einbringen, und gemeinsam generiert diese Gruppe neues Wissen, das anwendbar ist. Das ist die gewinnbringende und schönste Form, Schülern etwas beizubringen. Aber dazu ist Mut notwendig. Der Mut vom Lehrer und auch der Mut der Schüler.

Die Vermittlung von Medienkompetenz ist auch Sache der Eltern. Wie geht es denen damit, dass sie ihren Kindern etwas beibringen sollen, was diese besser beherr-schen als sie selbst?
Brigitte Sindelar:
Die Themen Computer, Internet und Social Media polarisieren die Eltern extrem stark. Sie sehen diese Dinge entweder gut oder böse. Gerade das Verteufeln finde ich problematisch, weil nicht das Medium das Problem ist, sondern die Art, wie ich damit umgehe.

Sie meinen, wenn die Kids sich stundenlang mit Facebook, Twitter und Instagram beschäftigen…
Brigitte Sindelar:
Das weniger, denn die Eltern haben vor allem Angst um Computer-spielende Kinder, vor allem wenn es sich um Multiplayer-Games handelt. Dabei sind die Jugendlichen mit der ganzen Welt vernetzt. Wenn ich allerdings Eltern frage, was für Spiele ihre Kinder genau spielen, können sie meine Frage oft nicht beantworten.

Warum ist das wichtig?
Brigitte Sindelar:
Wenn sie das Spiel nicht kennen, dann wissen sie auch nicht, was ihr Kind in diesem Spiel sucht, und warum dieses Spiel für ihr Kind suchtgefährdend sein könnte. Sie kennen die Inhalte nicht, die in diesem Spiel trainiert werden. Das sind teilweise Fähigkeiten, die im Erwachsenenleben durchaus nützlich sind und gebraucht werden. Etwa Teamfähigkeit, Ausdauer oder Zuverlässigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Ein Beispiel: Wenn ich in World of Warcraft einen Termin mit meiner Gilde habe, und ich kann daran nicht teilnehmen, dann schadet das der ganzen Gemeinschaft. Diese Erfahrung, dass es eine Bedeutung hat, ob ich da bin oder nicht, ist für Jugendliche wertvoll. Wenn ich Eltern vor einen World of Warcraft-Schirm setze, dann sind sie oft tief beeindruckt, was hier alles gefordert ist und was sich da abspielt.

Eltern sollten also auch Computerspiele spielen?
Brigtitte Sindelar:
Ideal ist es, wenn sich die Eltern zumindest einmal eine halbe Stunde neben ihr Kind setzen, und sich das Spiel erklären lassen. Ohne es zu kritisieren. Dabei können sie viel lernen. Im Spiel ist ihr Kind plötzlich ein Anführer – in der Sportstunde wird es hingegen immer als letztes in eine Mannschaft gewählt. Was kann mein Kind im Spiel, was es in der Realität nicht kann? Wie kann ich meinem Kind helfen, die Fähigkeiten aus dem Spiel in die Realität zu übertragen? Werden diese Fähigkeiten aus dem Computerspiel in der Realität überhaupt gebraucht? Aus der Auseinandersetzung mit den Computerspielen der Kinder ergeben sich wichtige Fragen. Nicht nur Eltern, auch Pädagogen sollten sich mit Computerspielen auseinandersetzen, und sie ausprobieren. Genau das machen wir hier an der Sigmund Freud Privatuniversität im Rahmen eines Universitätslehrganges.

Welche Erfahrungen machen Sie dabei?
Brigitte Sindelar:
Dazu ein Beispiel aus einem solchen Kurs: Die Teilnehmer setzen sich einen Tag lang vor Computerspiele, die aus den unterschiedlichsten Genres stammen. Ihr Auftrag ist es, an einem Tag die Spiele kennen zu lernen und zu überlegen, was diese Spiele den Jugendlichen bieten. Und nicht nur einmal ist bei diesem Kurstag folgendes passiert: Sie machen keine Mittagspause. Sie bestimmen jemanden, der Wurstsemmerl holen geht, nur um ungestört weiterspielen zu können. Und wenn ich dann am Schluss in den Raum komme, bemerken sie mich gar nicht. Wenn ich sie anspreche, sagen sie „Moment, ich muss nur noch…“ und sitzen mit eckigen Augen da. Diese Erfahrung ist für Pädagogen sehr wertvoll, weil sie spüren, weil sie selbst erfahren, was das Attraktive an so manchen Computerspielen ist. Es gibt freilich auch welche, die mir vorwerfen, dass sie einen ganzen Tag nur mit Computerspielen vergeudet haben, die an dem Tag Aggression anstauen, und mich das dann spüren lassen. Es ist aber sowohl für Eltern als auch für Lehrer wichtig, zu verstehen, was das Reizvolle am Computerspielen ist.

Es besteht ja auch die Gefahr, dass sich Jugendliche in der virtuellen Spielwelt verlieren. Gibt es da bestimmte Risikogruppen?
Brigitte Sindelar:
Kinder, die sozial unsicher sind, sind gefährdeter. Sie leiden unter einem Mangel an Selbstwert, sozialen Ängsten, schulischem Versagen, und versuchen, sich in der virtuellen Welt Erfolge zu holen, die sie für ihre Selbstsicherheit brauchen, aber in der Realität nicht bekommen. Eltern können dann aber auf keinen Fall sagen, da kenn ich mich nicht aus, das geht mich nix an. Sie müssen sich darauf einlassen.

Ist es auch bei den sozialen Medien möglich, dass Kinder zu sehr in diese virtuelle Welt kippen?
Brigitte Sindelar:
Das, was sich früher am Telefon abgespielt hat, spielt sich jetzt auf Social Media übers Smartphone ab. Jugendliche haben das Bedürfnis, mit anderen permanent in Kontakt zu bleiben. Das gehört zur Adoleszenz dazu. Die Peer-Group gewinnt zu Lasten der Familie an Bedeutung. Die Gefahr, dass Jugendlich ihr Kontaktbedürfnis fiktional befriedigen, ist gegeben. Dass sie 400 Facebook-Freunde haben, aber in der Realität keine. Dass sie virtuell in eine Gruppe gut eingebunden sind, aber in der Schulklasse der Außenseiter sind. Diese Fiktion kann das Hindernis, wirklich soziale Kontakte zu knüpfen, erhöhen.

Wann sollten sich denn die Eltern über eine Social-Media-Sucht ihres Kindes Sorgen machen?
Brigitte Sindelar:
Wenn Eltern den Eindruck haben, dass es ohne Smartphone nicht mehr geht. Manchmal ist es pure Provokation, wenn Jugendliche sich dauernd mit dem Handy beschäftigen. Wenn das der Fall ist, muss man sich aber nicht sorgen. Jugendliche müssen sich abgrenzen, müssen nein sagen, müssen provozieren – das gehört zu ihrer Entwicklung dazu. Aber wenn ein Bursche ein Bild eines hübschen Mädchens auf Facebook betrachtet, ein reales hübsches Mädchen vor ihm steht, er aber dennoch seine Augen auf das Smartphone-Display richtet, dann würde ich mich sorgen.

In sozialen Medien herrscht eine sehr verkürzende, gleichzeitig aber auch kreative Sprache vor. Kritiker befürchten, dass sich dies negativ auf die Ausdrucksfähigkeit der Jugendlichen auswirken könnte.
Brigitte Sindelar
: In den sozialen Medien herrscht eine Art Privatsprache. Aber eine solche nützen Jugendliche schon immer. Diese Sprache entwickelt sich ständig weiter – denken Sie an die verschiedenen Bedeutung von „Oida“ oder die neue Bedeutung von „Bombe“. Durch die sozialen Medien wirklich neu ist, dass es nun eine geschriebene Jugendkultursprache gibt. Das gab es bisher noch nie. Die Lesekompetenz ist also weit stärker gefragt, als in der Vergangenheit. Dies nur zum populären Vorurteil, dass Kinder heutzutage gar nicht mehr lesen würden.

Über Social Media verbreitete Fotos von Jugendlichen in peinlichen Posen wirft indes Probleme auf. Warum kommt es eigentlich dazu?
Brigitte Sindelar: Jugendliche brauchen Geheimnisse, die sie mit ihren Altersgruppen austauschen können, und sie untereinander verbindet. Sexualität ist nur ein Thema davon. Es gibt viele Dinge, die die „Alten“ nichts angehen. Facebook gibt den Jugendlichen das Gefühl, abgegrenzt zu sein. Was sie aber übersehen ist, dass sie die Social-Media-Plattformen nur gegen die „Alten“ abgegrenzt, aber auf der „anderen Seite“ extrem offen sind. Den Jugendlichen fehlt da der Realitätsbezug. Sie denken nicht daran, dass solche Fotos ihnen später schaden, wenn sie mit 30 einen Job suchen, und der Personalchef auf Google Fotos von ihnen findet, auf denen sie zugekifft oder völlig betrunken zu sehen sind. Die Schule muss ihnen ganz klar vermitteln: Wenn ein Foto einmal im Netz ist, dann bleibt es auch drinnen. Eltern könnten gemeinsam mit ihrem Kind einmal nach Bildern googeln, und sich die Ergebnisse ansehen. Da ist die Überraschung oft sehr groß.

Solche Fotos, die ja bis hin zu Nacktbildern gehen, können nicht nur später, sondern auch unmittelbar zum Problem werden – in Form von Cybermobbing.
Brigitte Sindelar:
Cybermobbing ist sicherlich etwas, was durch Social Media erst entstanden ist. Das ist eine völlig neue Form des Mobbings. Dem Mobbing kann ich im schlimmsten Fall entkommen, wenn ich die Schule wechsle, oder in eine andere Stadt übersiedle. Bei Cybermobbing geht das nicht. Auch wenn ich selbst die sozialen Medien verlasse – ich bleibe dort das Opfer des Mobbings. Zudem können die Täter beim Cybermobbing anonym bleiben. Meist löst ein Bekannter das Cybermobbing aus, aber die anderen Täter, die sich daran beteiligen, bleiben anonym. Das kann dann jede Person sein. Dadurch wird die Bedrohlichkeit und die Verletzung der Intimität größer, und letztendlich auch der Druck.

Wie kann man mit diesem Druck umgehen?
Brigitte Sindelar:
Vielleicht kennen Sie die Geschichte der Dänin Emma Holten . Ihr Account wurde gehackt, und E-Mails und intime Fotos waren öffentlich zugänglich. Sie entschied sich als Antwort, proaktiv selbst Nacktfotos von sich im Netz zu publizieren. Nach dem Motto: Wenn ihr schon Nacktfotos von mir wollt, dann suche ich aus, welche das sind. Für so einen Schritt ist viel Mut notwendig. Da kann es schon sehr hilfreich oder auch notwendig sein, sich psychotherapeutische Unterstützung zu holen, bevor man das schafft. Es gibt aber andere Fälle, in dem Nacktfotos dann zum Suizid des Cybermobbing-Opfers geführt haben. Die Opfer hatten das Gefühl, dass sie dieser Bedrohung nur entkommen können, wenn sie diese Welt verlassen.

Wie verbreitet ist Cybermobbing?
Brigitte Sindelar: Wir haben eine Studie in einem österreichischen Bundesland gemacht, für die wir Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren befragt haben. 60 Prozent haben angegeben, dass sie selbst schon in der Situation waren, gemobbt zu werden. Das ist gewaltig. Besonders kränkend haben sie Nacktfotos von sich empfunden, die im Web herumgeistern.

Was können Betroffene tun?
Brigitte Sindelar:
Die Jugendlichen wünschen sich vor allem Ansprechpartner. An erster Stelle kommen die Eltern, dann Lehrer und der Freundeskreis. Von Behörden wie der Polizei erwarten sich die Jugendlichen am wenigsten. Ein zusätzlicher Aspekt von Cybermobbing ist: Es besteht kein Zusammenhang mit dem Selbstwert des Opfers, der beim Mobbing sehr wohl besteht. Ein hoher Selbstwert schützt nicht vor Cybermobbing, es kann also wirklich jeden treffen.

Wie können die Eltern des Opfers helfen?
Brigitte Sindelar:
Das Wichtigste ist, das Kind ernst zu nehmen. Zu sagen, „mach Dir nix draus, des is net so schlimm, das ist ja nur das Internet“, ist ein großer Fehler. Für Jugendliche ist das Internet die zweite Lebenswelt. Das Internet ist für Jugendliche viel wichtiger als für Vater und Mutter. Das kann einem gefallen oder nicht, das ist einfach so. Wichtig ist, mit dem Kind gemeinsam zu überlegen, was man tun könnte. Es hilft dem Opfer oft schon, sich aussprechen, ja „ausschleimen“ zu können. Die allerbösesten Phantasien gegenüber dem Täter zu beschreiben. Die Beziehung ist die „Plattform“, auf der das Opfer seine Kränkung und seinen Frust ungehindert rauslassen kann. Das heißt natürlich nicht, dass man diese Rachephantasien dann auch in der Realität umsetzt. Situationen gemeinsam gedanklich durchspielen, was passiert, wenn das Opfer selbst aggressiv antwortet oder wenn es stumm bleibt. Diskutieren, welche Option sinnvoller ist, oder ob es noch eine andere gibt.

Was sind die häufigsten Fehler der Jugendlichen im Umgang mit Social Media, und was sollte man tunlichst vermeiden?
Brigitte Sindelar:
Intime Details sollte man nie über Social-Media-Plattformen bekannt geben. Die Intimität im Internet ist gleich null. Virtuelle Freundschaften darf man nicht mit realen verwechseln. Was die Abhängigkeit, gerade von Computerspielen aber auch Social Media betrifft, sollten die Eltern wachsam sein, und sich damit proaktiv auseinandersetzen. Und vor Blogs ist auch ein gewisses Maß an Vorsicht geboten. Dort herrscht die Tonalität, dass alles so ist, wie es geschrieben steht. Diese Darstellungsform hat etwas rezeptartiges, und eine Schiene des Gehorsams wohnt ihr inne, die ich beunruhigend finde. Das ist kein Problem, wenn es darum geht, wie sich Salzburger Nockerl am besten realisieren lassen. Wenn es aber darum geht, wie ich mit meinem Nachbarn umgehen soll, der gerade aus dem Ausland zu uns gekommen ist, dann sieht die Sache schon etwas anders aus. Den manipulativen Charakter von Blogs sollte man also mit Jugendlichen besprechen.

Das Interview führte Rainer Seebacher.

 

Univ.Prof. Dr. Brigitte Sindelar ist Vizerektorin für Forschung an der Sigmund Freud Privatuniversität und leitet dort die Abteilung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Zudem fungiert Sindelar als Vorsitzende der Ethikkommission und stellvertretende Leiterin des Fachspezifikums Individualpsychologie. Sindelar betreibt das Sindelar-Center (klinisch-psychologische Diagnostik sowie psychotherapeutische Behandlung)  mit einem Team von Psychotherapeutinnen und einem Psychotherapeuten – ihrem Sohn Mag. Christoph Sindelar. Sindelar ist Eigentümerin und geschäftsführende Gesellschafterin des Verlag Austria Press. Sindelar hat die Schmunzelclubs gegründet, in denen Kindern bei Lernproblemen weiter geholfen wird. In der Zeitschrift für freie psychoanalytische Forschung und Individualpsychologie (ZfPFI) hat Sindelar im letzten Jahr einen Artikel über Online-Computerspielsucht von Kindern und Jugendlichen mit dem Titel „Kinder und Jugendliche, gefangen im weltweiten Netz“ publiziert. Kürzlich ist zum Thema „Braucht ein Kind vor der Schule schon ein Handy?“  ein Interview mit Sindelar in der der Tageszeitung „Die Presse“ erschienen.

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