Social Media: Lehrer machen Prüfungen aus Angst vor Shitstorms einfacher

31. März 2017 /

Im digitalen Zeitalter spielen soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook eine immer größer werdende Rolle bei der Meinungsbildung. Fake News, Hasspostings, Shitstorms – das alles sind Themen, die den Einfluss von Social Media vermehrt zum Diskussionsthema machen.

Dass der Einfluss ziemlich groß ist und sich nun auch im Bildungsbereich bemerkbar macht, zu dieser Erkenntnis kommt der Forscher Robert Coe der britischen Durham University. Coe ist Leiter des Zentrums für Evaluation und Beobachtung an der Durham University und arbeitet als Berater für das Office of Qualifications and Examinations Regulations (Ofqual) der britischen Regierung.

Ihm zufolge würden Lehrer aus Angst vor einem Shitstorm im Social Web Prüfungen immer einfacher und leichter für ihre Schüler gestalten. Prüfungsbögen würden immer öfter „voraussagbares Wiederkäuen“ erfordern, ohne hohen Anspruch auf Innovation. Das werde dann auch noch belohnt, was die Leistungsbeurteilung verzerre. Bei fordernden und anspruchsvolleren Fragen würden die ersten Schüler schon wenige Minuten nach der Prüfung ihren Frust auf ihren Social Media Kanälen auslassen. Um sowas zu vermeiden, würden Lehrer vermehrt bei Prüfungen nur noch das bloße Wiedererkennen bereits bekannter Fragemodelle verlangen.

Wegen Beschwerden über „zu anspruchsvollen“ Aufgabenstellungen entsteht somit viel negativer Wirbel im Social Web, den Lehrer laut Coe offenbar lieber vermeiden möchten. Das Vereinfachen von Prüfungen wäre hier aber genau die falsche Reaktion. Schüler bräuchten Coe zufolge fordernde Fragen, um zeigen zu können, dass sie komplexe Sachverhalte verstanden haben und ihr Wissen auch anwenden können. „Heute wird in Prüfungen zu viel Denken auf niedriger Ebene belohnt. Das ist eine dysfunktionelle und störende Angelegenheit, mit der wir fertigwerden müssen.“, sagt der Forscher.

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