Chatbots II: Social Bot. Wo lauern die Gefahren?

11. August 2017 /
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Über Chatsbots haben wir bereits letzte Woche berichtet. Wie jedes Tool lassen sich Chatbots leider auch missbräuchlich verwenden – etwa in Form eines Social Bot, der vorgaukelt, echter User zu sein.

Social Bots erstellen automatisch Profile auf Facebook, Twitter und Co., sie kommentieren Beiträge und verbreiten mitunter gezielte Falschmeldungen. Beispiele dafür sind etwa automatisiertere Rezensionen auf Amazon, gefakte Profile auf Dating-Seiten, falsche Accounts auf Twitter oder computergesteuerte Hasskommentare auf Facebook. Wie viele solcher gefakten Profile es bereits gibt, lässt sich schwer sagen. Experten gehen davon aus, dass beim Kurznachrichtendienst Twitter etwa 20 Prozent der Profile von Chatbots bespielt werden.

Problematisch wird es dann, wenn diese Bots gezielt in den Meinungskampf geschickt werden, etwa in Wahlkämpfen. Dahinter steckt das Ziel, Nutzern zu suggerieren, dass im Netz eine bestimmte Meinung vorherrsche. Den Betreibern geht es darum, Debatten an sich zu reißen, Diskussionen im Netz zu manipulieren und Stimmungen in der Bevölkerung zu erzeugen.

Wie erkenne ich einen Social Bot?

Screenshot Social botAccounts, hinter denen ein Social Bot steckt, sind in den Sozialen Medien mitunter schwer zu erkennen und nicht immer von dem eines Menschen zu unterscheiden. Die Profile von Bots sehen oft auf den ersten Blick aus wie die eines normalen Nutzers. Folgende Fragen helfen dabei, Chatbots zu entlarven:

  1. Wirkt der Account seriös? Sind auf der Timeline viele radikale Positionen oder aufrührerische Nachrichten zu finden? Kenne ich den/die Profilinhaber/in persönlich? Kenne ich viele Follower des Accounts? Wird inhaltlich immer ungefähr dasselbe gepostet? Werden Nachrichten gleichzeitig an viele Nutzer/innen verschickt? Teilt er immer Postings desselben Mediums oder Accounts?
  2. Was sagt die Profilbeschreibung? Misstrauisch werden sollte man, wenn diese Angaben keinen Sinn ergeben oder sehr spärlich sind. In der Beschreibung angegebene Links lassen Rückschlüsse auf die Seriosität des Accounts zu.
  3. Wie oft postet der Account? Selbst sehr aktive User posten nicht mehr als 10-20 Mal am Tag. Accounts, die beispielsweise mehr als 50 Tweets am Tag abschicken oder auch täglich exakt die gleiche Anzahl an Postings, sind in den meisten Fällen Social Bots. Zusätzlich gibt es bei Social Bots eine hohe Anzahl an geteilten Inhalten aus anderen Profilen.
  4. Wie schnell ist der Account? Bots reagieren schneller auf Nachrichten als Menschen. Wird ein Inhalt beispielsweise schon eine Sekunde nach Veröffentlichung von einem Account geteilt, handelt es sich bei diesem vermutlich um einen Bot.
  5. Wie viel wird geliked? Je öfter ein Account „Likes“ vergibt, desto eher steckt dahinter eine Maschine.
  6. Kann der Account „menschliche“ Fragen beantworten? Social Bots tun sich schwer mit Kontextwissen, also etwa „Wer steht gerade neben dir?“ oder „Wie heißt deine Mutter?“. Es hilft also, den vermeintlichen Bot mit einer Frage zu konfrontieren, die ein Mensch einfach beantworten kann, eine Maschine jedoch nicht.
  7. Wie schreibt der Account? Verwendet er immer wieder Begriffe, die ich selbst in meinen Antworten zuvor benutzt habe? Ist seine Grammatik seltsam – auf eine Art, wie sie bei Menschen eher unüblich ist?
  8. Was sagen Bot-Erkennungsdienste über das Profil? Tools, die beim Erkennen von Social Bots helfen, sind Bot or Not von der Indiana University Bloomington oder Botswatch, der von einer Gruppe aus Journalisten, Web-Entwicklern und Digitalstrategen betrieben wird.
Verfasst von
Walter Fikisz ist Social Media Manager an der Pädagogische Hochschule Niederösterreich. Sein wissenschaftliches Interesse gilt der Verbindung von Kommunikation und Pädagogik. Er „lebt“ Social Media und möchte deren Gesetzmäßigkeiten und Auswirkungen auf die „Generation Z“ noch genauer erforschen.

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