Jugend-Internet-Monitor: Facebook geht, musical.ly kommt

14. April 2017 /

Was zeigt der Jugend-Internet-Monitor? Nur noch den fünften Platz belegt Facebook in der Hitliste der Social Media Plattformen bei Jugendlichen in Österreich. Gleichzeitig steigt musical.ly von null auf Platz sechs ein. Der soeben erschienene Infografik von Saferinternet.at zeigt die aktuellen Auf- und Absteiger.

Jugend-Internet-Monitor

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Spitzenreiter: WhatsApp und YouTube führen die Hitliste weiter an

Unangefochten an der Spitze der beliebtesten Sozialen Netzwerke stehen der Messaging-Dienst WhatsApp mit 93 Prozent und die Video-Plattform YouTube mit 90 Prozent. Letztere hat im Vergleich zum Vorjahr sogar noch einmal leicht zugelegt. Sie liegt jetzt fast gleichauf mit der Nummer 1. Auch wenn die in diesem Jahr neu gestalteten Statusmeldungen auf WhatsApp nicht so gut ankommen wie vom Betreiber erwartet: WhatsApp nützt quasi jedes Kind und jeder Jugendliche jeden Tag. Mehrmals.

Aufsteiger: Instagram und Snapchat gewinnen massiv

Mit einem Plus von jeweils 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr legen die beiden Foto-Sharing Netzwerke Instagram und Snapchat stark zu. Sie liegen jetzt bei 68 bzw. 65 Prozent auf den Plätzen drei und vier. Was bei WhatsApp nicht klappte, hat Instagram vermutlich zu diesem weiteren Aufstieg verholen: Funktionen aus Snapchat nachahmen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich bei den Jugendlichen die – nun auf fast allen Social Media-Plattformen verfügbare – Funktion, aus mehreren Bildern bzw. Videos eine „Story“ zu gestalten. Ein Tag als Foto-Story sozusagen, denn nach 24 Stunden sind die Bilder jeweils wieder verschwunden. Ebenso beliebt bei den Youngsters und mittlerweile auf beiden Plattformen möglich: diverse Filter und die Möglichkeit, kleine Text- und Grafikelemente am Bild einzufügen. Wohl jeder von uns durfte im vergangenen Jahr oftmals Kinder und Jugendliche mit Hundeohren und Katzenschnurrbart bewundern oder über „vertauschte Gesichter“ staunen.

Absteiger: Facebook und Twitter verlieren weiter an Bedeutung

Wie bereits in den vergangenen Jahren verliert Facebook bei den jugendlichen Usern weiter. Und zwar massiv. Nach einem Verlust von 21 Prozent liegt die – quer über alle Altersgruppen gesehen noch immer stärkste Social Media Plattform – nur noch auf Platz fünf. Nur noch weniger als die Hälfte der 11-17-Jährigen hat ein Profil auf Facebook – und wenn, dann meist nur als Login-Hilfe für andere Apps. Ebenfalls an Bedeutung verloren hat Twitter (-11%) und spielt jetzt bei jugendlichen Social Media Usern bloß noch in einer Liga mit mehr oder weniger unbekannten Netzwerken wie Ask.fm, Twitch oder Viber.

Neueinsteiger: musical.ly

Direkt von null auf Platz sechs schaffte es das Musik-Video Netzwerk musical.ly, welches mit 26% Prozent Verbreitungsgrad vor allem bei der jüngeren Zielgruppe (11-14-Jährige) sehr beliebt ist. Mit der App musical.ly können 15-sekündige Musikvideos, sogenannte „Musicals“, aufgenommen und mit anderen Nutzerinnen und Nutzern – den „Musern“ – geteilt werden. Der Clou: Man muss nicht selbst singen, sondern bewegt die Lippen zum Playback der Lieblingssongs.

Wie wichtig sind den Jugendlichen die einzelnen Plattformen?

Erstmals wurde im diesjährigen Jugend-Internet-Monitor auch die Relevanz der einzelnen Plattformen für die Jugendlichen erhoben. Und die deckt sich in der Rangfolge ziemlich gut mit der Verbreitung: 77 Prozent der Jugendlichen bewerteten etwa die Plattform WhatsApp mit „sehr wichtig“, gefolgt von YouTube (45%), Snapchat (43%), Instagram (34%), Facebook (21%) und musical.ly (20%). WhatsApp ist also nicht nur das meistgenutzte Netzwerk, sondern auch mit Abstand das relevanteste für Jugendliche. Snapchat ist bei der Nutzung mit Instagram praktisch gleich auf, wird aber mittlerweile als relevanter eingestuft. Facebook ist sogar nur mehr für jeden fünften Jugendlichen „sehr wichtig“.

Plattformen für Jungs, Plattformen für Mädchen

Teilweise signifikante Unterschiede weist der Jugend-Internet-Monitor 2017 hinsichtlich des Geschlechts der jugendlichen User von Social Media aus. Während WhatsApp und YouTube von beiden Geschlechtern etwa gleich stark genutzt werden, gibt es bei anderen Plattformen deutliche Unterschiede. Mädchen etwa nutzen Instagram mit 76 Prozent deutlich häufiger als Burschen (60 Prozent). Ähnlich bei Snapchat: 76 Prozent bei Mädchen, nur 54 Prozent bei den Jungs. Die Newcomer-Plattform musical.ly ist noch weiblicher: Während 37 Prozent der Mädchen dort musikalisch unterwegs sind, bewegen nur 14 Prozent der Burschen regelmäßig ihre Lippen zur Musik. Die verbringen ihre Zeit wohl lieber mit zocken. Am Videospiel-Portal Twitch haben die Jungs mit 25 Prozent gegenüber den Mädchen mit nur 3 Prozent klar die Nase vorn.

Wer wurde beim Jugend-Internet-Monitor befragt?

Im Zeitraum November/Dezember 2016 wurden 400 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren in Österreich zu ihrer Nutzung von sozialen Netzwerken befragt. Durchgeführt wurde die Befragung vom Institut für Jugendkulturforschung im Auftrag der Initiative Safertinternet.at.

Verfasst von
Walter Fikisz ist Social Media Manager an der Pädagogische Hochschule Niederösterreich. Sein wissenschaftliches Interesse gilt der Verbindung von Kommunikation und Pädagogik. Er „lebt“ Social Media und möchte deren Gesetzmäßigkeiten und Auswirkungen auf die „Generation Z“ noch genauer erforschen.

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