Digitale Bildung: Tablet-Projekt macht Schule

13. Februar 2017 /

Damit Österreich fit für die derzeit in aller Munde seiende Digitalisierung wird, hat die österreichische Bundesregierung unseren Schulen digitale Bildung auf den Stundenplan gesetzt. Was in anderen Ländern schon seit Jahren zum Standard gehört, öffnet unseren Schülern die mit Vorhängeschloss gesicherte EDV-Räume. Dass der Unterricht mit Smartphone und Tablet den Unterricht bereichert zeigt das von T-Mobile initiierte Projekt Connected Kids seit viereinhalb Jahren. Die Initiative baut eine Brücke zwischen der Alltagswelten der SchülerInnen – die einerseits in der Freizeit durch Smartphone und Tablets geprägt ist und andererseits im Unterricht noch keinen Platz gefunden hat.

Unter der Projektleitung von Paul Kral, Geschäftsführer der Bildungsagentur Know.learn.lead haben bereits 7.879 SchülerInnen und 434 LehrerInnen mit Tablets, Apps und Lernplattformen digitale Bildungsluft geschnuppert. Der 0676 Blog hat den Bildungsexperten zu einem Interview gebeten.

Paul Kral betreut mit seinem Team das T-Mobile Projekt Connected Kids.

Herr Kral, was ist für Sie das wichtigste Argument, weshalb neben der Tafel auch Tablets und Smartphones als Unterrichtsmittel eingesetzt werden sollen?
Paul Kral: Die Schule ist Teil der Gesellschaft, die dabei ist zu einer digitalen Wissensgesellschaft mutiert. Sie muss daher auf die veränderte Sozialisation von Kindern und Jugendlichen und eine veränderte Berufswelt eingehen. Ebenso muss sie auf den Verlust des schulischen Informationsmonopols und auf die neuen Werkzeuge für das Lernen und Arbeiten reagieren. Kurz gesagt, sich der Digitalisierung aktiv stellen.

Für Skeptiker möchte ich auch sagen: Ja, es gibt viele Argumente die gegen eine ungezügelte Verwendung der Devices sprechen, aber zu verbieten oder die Kids mit diesen Devices allein zu lassen ist fahrlässig. Nicht alle Eltern haben die Kompetenz zu wissen, wo und was ihre Kinder auf diesen Geräten suchen und finden. Die Schule übernimmt dabei eine wichtige Erziehungsrolle, um einen vernünftigen und bewussten Umgang mit Daten, Bildern zu begehen. Gefahren gibt es immer, aber man kann ihnen begegnen.

Wie wird sich der Unterricht durch den Einsatz von digitalen Unterrichtsmitteln verändern?
Paul Kral: Gelernt wird immer noch ausgehend vom Analogen hin zum Digitalen. Erst sehe und begreife ich eine Pyramide aus Holz, dann arbeite ich damit digital. SchülerInnen haben neben Buch, Papier und Bleistift ihr Tablet bzw. Smartphone auf dem Arbeitstisch. Das Schreiben ist nicht abgeschafft, tritt aber ein wenig in den Hintergrund. Schulbücher sind interaktiv gestaltet und passen durch die Digitalisierung in jede Hosentasche. Eine Exkursion wird gestützt durch Augmented Reality, sodass alles Wissenswerte eingeblendet werden kann.

Das Tablet antwortet neutral, ohne Vorwurf, ohne jede Emotion und gibt eine zweite Chance es besser zu machen.

Das Tablet antwortet neutral, ohne Vorwurf, ohne jede Emotion und gibt eine zweite Chance es besser zu machen.

Aufgaben werden über Plattformen abgewickelt und bewertet. Mit den Algorithmen der SchülerInnen lassen sich täglich neue Lernaufgaben für SchülerInnen generieren, genau ihrem jeweiligen Leistungsstand angepasst. Gearbeitet wird lösungsorientiert mit einem hohen Anteil an Kreativität. LehrerInnen üben sich in einer neuen Rolle, die des Lernbegleiters, des Coaches und haben Zeit auf die Individualität der Einzelnen einzugehen.

Das soziale Miteinander wird durch die Übernahme der Tutorenrolle von SchülerInnen neu belebt. So wird mehr kommuniziert, kooperiert und kollaboriert, Projekte gemeinsam entwickelt und präsentiert.

Die Schultüre ist nicht mehr die Grenze, da Schulen weltweit einander in Lernprozessen unterstützen und ergänzen – ein offener Lernraum wird geschaffen. SchülerInnen können an Online-Lernprogrammen teilnehmen, hin bis zum Belegen von akademischen Kursen – eben ihren Talenten, Begabungen und Interessen entsprechend. Und SchülerInnen werden hoffentlich mit viel Freude, Optimismus und Engagement die Schule besuchen.

Ein wichtiger Teil des Projekt Connected Kids ist, Lehrer in der Testphase im Umgang mit den neuen Medien im Unterricht zu begleiten. Wie läuft diese Art Einschulungsphase ab?
Paul Kral: Man geht immer davon aus, dass die SchülerInnen schon alle im Zeitalter von Internet, Google, YouTube u.a. aufgewachsen sind. PädagogInnen jedoch nicht, und dennoch kann man nicht davon ausgehen, dass die SchülerInnen in deren Handhabung kompetent sind. Daher lernen die Pädagoinnen in den ersten Minuten zunächst das Wischen auf den Tablets, die Basics und die Einstellungsmöglichkeiten kennen. In der Folge werden Fotos und Videos gemacht. Hier beginnt der didaktische Teil: Wie ein Foto nie gegen das Fenster richten, ein Foto zuschneiden, beschriften. Dabei erfahren sie, wie Apps miteinander verknüpft sind und für Projekte, Präsentation verwendet werden können.

Da unsere Tablets im Zuge des Projektes vier bis fünf Wochen an der Schule bleiben, legen wir großen Wert darauf, dass bei der Arbeit mit Tablets nicht nur die Apps im Vordergrund stehen, sondern Webseiten in den Unterricht integriert werden, die SchülerInnen am Tablet bearbeiten können. Beispiele dazu sind die Seiten LearningApps.org, Allgemeinbildung.ch, Schule.at, digikomp.at. So stellen wir von Connected Kids sicher, das Tablets integrierende Bestandteil des Unterrichtsprozesses wird, genauso wie die Kreide und Tafel, das Lexikon oder das Buch.

Wie reagieren die SchülerInnen auf den Unterricht, wenn sie anstatt auf die Tafel zu starren zusätzlich die Tablets verwenden?
Connected Kids – die Erfolgsbilanz: 3777 Schülerinnen und Schüler, über 200 Pädagoginnen und Pädagogen, in 181 Klassen in 37 teilnehmenden Schulen
Paul Kral: Primär ist die Freude groß, wenn der Tabletkoffer in die Klasse rollt. Die Erwartung steigt. Berührungsängste gibt es kaum, vielmehr zeigen SchülerInnen anderen, wie “es geht“. Tablets müssen in die Unterrichtseinheit hineinpassen, das mag manchmal nur ein Blick für eine Recherche sein, kann auch dazu dienen, Additionen, Multiplikationen u.a. zu trainieren. Dabei zeigt sich ein spannender Nebeneffekt: Das Tablet antwortet völlig neutral, ohne Vorwurf, ohne jede Emotion und gibt eine zweite Chance es besser und daher auch richtig zu machen. Bezeichnenderweise wird ein zweiter oder dritter Versuch ohne jede Anordnung gemacht. Lernprozesse laufen eben anders mit Tablets ab, die Motivation verflacht nicht so schnell.

Danke, für das Interview Herr Kral. Weitere Informationen sind auch im Projeketblog Connected Kids zu finden.

T-Mobile hat zeitgleich zur Initiative Connceted Kids auch diesen Kids Blog gestartet. Hier finden Eltern, LehrerInnnen und SchülerInnen alles Wissenswerte zum Thema digitales Lernen sowie jede Menge App-und Webseitenempfehlungen. Acht verschiedene Kategorien führen im Kids Blog Eltern, Lehrende aber auch Kinder durch die digitale Welt.

Der Original-Beitrag stammt vom 13. Februar 2017, erschienen im 0676 Blog.

Verfasst von
Sie ist CSR-Managerin bei T-Mobile Austria. Sie radelt täglich zur Arbeit und lebt für und im "grünen Lifestyle". Sie hat eine (fast) erwachsene Tochter.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.